9 Dezember, 2019

Datenschutz und Effizienz: zwei unvereinbare Welten?

Die (Internet-)Gemeinschaft scheint sich einig darüber zu sein, dass Datenschutz ein hohes Gut ist. Gleichzeitig stellen Verordnungen wie die noch recht junge DSGVO Unternehmen vor die Herausforderung, jenen Datenschutz mit einer effizienten Führung des Tagesgeschäfts zu vereinbaren. Wie und ob sich beide Elemente vereinbaren lassen, klärt dieser Artikel.

Datenschutz und seine Definition

Grundsätzlich ist es nicht ganz einfach, den Begriff zu definieren, da es "den Datenschutz" als einziges, monolithisches Gebilde nicht gibt. Daten, die schützenswert sind, existieren etwa im persönlichen, privaten Rahmen - aber auch bei der Verarbeitung von Kundendaten in Unternehmen. Eine dennoch recht umfassende Definition könnte wie folgt aussehen: Jede Person hat das Entscheidungsrecht über die Verwendung eigener, personenbezogener Daten (Alter, Name, Größe, Nationalität, Wohnort und vieles mehr). Wer wann welche Art von Daten verarbeiten oder auch weiterreichen darf, legt somit die betroffene Person selbst fest - und nicht ein beliebiges Unternehmen, eine Behörde oder andere Institutionen.
Vor allem im Zeitalter des Internets, das sich gemessen an der Entwicklungsgeschichte des Menschen noch immer im frühkindlichen Stadium befindet, wird damit auch immer wieder vom gläsernen Nutzer gesprochen: Unternehmen - ein Paradebeispiel sind hier soziale Netzwerke - bringen nicht nur Informationen über einzelne Menschen in Erfahrung, sondern sie bekommen sie auch noch freiwillig angeboten. Für Unternehmen ist dies eigentlich ein Segen - was vor allem für Vertreter der "New Work"-Transformation gilt. Demnach befinde sich die Arbeitswelt aktuell in einem Wandel, und dieser Wandel wird auch (aber nicht nur) mit Daten geführt. Nun kommen jedoch die lästigen Datenschützer auf den Plan und machen einigen Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Macht dies die moderne Arbeitswelt ganz einfach kaputt? Müssen wir alte Denkmuster über Privatsphäre ablegen, uns einer Welt fügen, in der Staaten und Mega-Unternehmen alles über uns wissen und die bittere Pille schlucken - oder gibt es vielleicht einen Mittelweg zwischen effizienter Unternehmensführung und Datenschutz?

Datenschutz und New Work: eine Innovationsbremse?

Schauen wir uns kurz den Begriff „New Work" noch einmal an: Darunter verstehen Vertreter dieser Bewegung einen umfassenden Sammelbegriff, der für innovative, zukunftsweisende und sinnstiftende Arbeit steht. Es geht nicht darum, mittels neuer Prozesse innerhalb von Unternehmen bestimmte Veränderungen anzustoßen; vielmehr handelt es sich um eine neue Haltung, eine neue Kultur der Arbeit an sich.

Entlehnt ist der Begriff der philosophischen Frage, ob der Mensch wirklich frei ist. Da Arbeit den Menschen unzweifelhaft einschränkt und damit unfrei macht, stellen sich nicht wenige Menschen die Frage, wie man jenen Fesseln entkommen kann. „New Work" soll die Antwort liefern: Der Mensch soll nur diejenige Arbeit verrichten, die ihn in seinem tiefsten Inneren wirklich erfüllt, fasziniert und mit Sinn füllt. Um jene schönen, neuen Welten erschließen zu können, sind jedoch Daten notwendig - und zwar nicht einige wenige Informationen, sondern enorme Mengen an personenbezogenen Datensätzen.

Bremsen DSGVO & Co. Innovationen aus?

Spürbar wird die Innovationsbremse vor allem für Unternehmen, die an der Speerspitze der Technologie arbeiten. Ein gutes Beispiel sind moderne Onlineshops, die auf ihren Webseiten zahlreiche Daten über den Nutzer sammeln und diese Informationen anschließend auswerten. Welche Produkte kauft die Person wann und von welcher Marke und wie viel Geld gibt sie pro Besuch aus? Aus jenen Daten lassen sich zahlreiche Rückschlüsse auf die gesamte Lebenssituation des Menschen ziehen, die am Ende auch dem Nutzer in gewisser Weise zugutekommen. Denn: Beim nächsten Besuch im Onlineshop werden nur Produkte präsentiert, die für diese Person wirklich von Relevanz sind.

Würde es jene "Datensammelei" nicht geben, hätte der Nutzer also eindeutig einen Nachteil bezüglich der Individualisierung des Angebots zu verzeichnen. Spätestens seit der DSGVO sind Unternehmen jedoch verpflichtet, dem Nutzer beim Besuchen der Webseite das Angebot zu unterbreiten, jegliche Informationsübertragung zu unterbinden - und wo keine Informationen über Cookies abgelegt werden dürfen, können auch keine Daten gesammelt werden. Dem Wachstum des Unternehmens steht dies eindeutig entgegen und auch der Nutzer selbst könnte vielleicht der Annahme sein, dass die individualisierte Version des Angebots eindeutig vorzuziehen ist.

Ähnlich sieht es bei modernen Geschäftsfeldern wie KI oder Smart Home aus: Können Smartphones mit Sprachsteuerung keine Daten über die Verwendung dieser Funktion sammeln - sprich: menschliche Sprache -, werden die Dienste nur deutlich langsamer verbessert. Ohne die Einspeisung menschlicher, personenbezogener Daten kann moderne Technik nicht verbessert werden. Das Smart Home und dessen diverse Felder setzt sogar zwingend voraus, dass der Anwender persönliche Daten weitergibt, denn sonst ist es einfach nicht funktionsfähig.
Sollten wir in Zukunft also auf Sprachassistenten, "denkende" Onlineshops, das Smart Home & Co. verzichten, um den Gott des Datenschutzes zu befriedigen? Wahrscheinlich nicht.

Effizienz und Innovation sind gut, aber...

Unzweifelhaft bremst der Datenschutz Innovationen und eine effiziente Unternehmensführung aus. Gäbe es den Datenschutz nicht, könnten Betriebe schneller und gewinnbringender arbeiten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sinnvoll ist, die Welt nur als Spielfeld ökonomischer Faktoren zu betrachten. Werden Menschen auch im "New Work"-Zeitalter nur als Ressource angesehen, dessen Talent es ungeachtet aller Bedenken auszunutzen gilt, verkommen Personen zu nicht mehr viel als einer Zahl auf einem (virtuellen) Papier. Ob der Mensch wirklich nur als weiterer Rohstoff in einem globalen Wirtschaftsspiel betrachtet werden sollte, ist daher die eigentliche Frage, die es zu beantworten gilt.

Gleichzeitig steht fest, dass Dinge wie soziale Netzwerke, Sprachassistenten oder das Sammeln personenbezogener Daten und dessen Auswertung nicht wieder verschwinden werden. Innovationen werden nicht ganz plötzlich aufhören, nur weil es einen Datenschutzaufschrei gibt, sondern in Zukunft weiterhin stattfinden - nur vielleicht nicht ganz so schnell, wie es sich einige Personen in den Chefetagen dieser Welt vorstellen. Aber vielleicht tut es uns hin und wieder ganz gut, dass es Datenschützer gibt, welche die Würde des Menschen im Blick halten und die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen als höherwertig einstufen.

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