17 Dezember, 2019

Effektive Zeiterfassung bei flexiblen Arbeitszeitmodellen

Immer flexiblere Arbeitszeitmodelle bieten Arbeitgebern und Arbeitnehmern enorm viele Chancen. Doch eine umfassende Arbeitszeiterfassung stellt häufig für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein echtes Problem dar. Dabei gibt es flexible Lösungen der Arbeitszeiterfassung, die sich in die verschiedenen Unternehmen und Branchen einfach integrieren lassen. Doch betrachten wir erst einmal die aktuelle Situation in Deutschland.

Verschiedene Arbeitszeitmodelle in Deutschland

In Deutschland gibt es etliche etablierte Arbeitszeitmodelle, welche durchaus eine flexible Arbeitszeitgestaltung ermöglichen. Gleitzeit- und Vertrauensarbeitszeit-Regelungen sind bereits jetzt in vielen Unternehmen etabliert und werden durch Homeoffice und Telearbeit häufig ergänzt. All diese Arbeitszeitmodelle benötigen allerdings in der Regel eine direkte Form der Arbeitszeiterfassung, damit geleistete Mehrarbeit systematisch erfasst werden kann. Denn bisher musste ausschließlich die Mehrarbeit erfasst werden. Das ändert sich allerdings in Zukunft. Denn das EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung hat hier für viele Veränderungen gesorgt.

Das EuGH-Urteil und seine Auswirkungen auf Deutschland

Aktuell sieht die Rechtslage in Deutschland im Bereich der Arbeitszeiterfassung klar und deutlich vor, dass der Arbeitgeber nur verpflichtet ist, Mehrarbeit umfassend zu dokumentieren und zu erfassen. Genauer ist dies in § 16 Abs. 2 S. 1 ArbZG dargelegt. Doch dies wird sich in Zukunft ändern, da der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 14.05.2019 festgelegt hat, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, die gesamte Arbeitszeit der Mitarbeiter zu erfassen. Somit bleibt Deutschland nichts anderes übrig, als das Urteil des EuGHs in nationales Recht zu überführen und somit eine Erfassung der Arbeitszeiten gesetzlich festzulegen. Durchaus ein Problem für viele Unternehmen, welche jetzt nach Mitteln und Möglichkeiten suchen, die Arbeitszeit der eigenen Mitarbeiter umfassend und rechtssicher zu dokumentieren.

 

Verschiedene Methoden der Arbeitszeiterfassung

Auch wenn immer noch in vielen Unternehmen und Behörden die gute alte Stempeluhr zum Einsatz kommt, ist dieses Modell in der heutigen Arbeitswelt eigentlich veraltet. Denn Außentermine, flexible Arbeitsorte und die Möglichkeiten für Homeoffice und Telearbeit ermöglichen viel mehr Flexibilität, denen sich die Zeiterfassung anpassen muss. Aus diesem Grund setzen immer mehr Unternehmen auf Time-Tracking-Software der verschiedenen Anbieter, um direkt online und somit flexibel zugänglich die Arbeitszeit erfassen zu können. Doch auch hier kann es zu Schwierigkeiten kommen, da auch bei diesen Lösungen der Datenschutz beachtet werden muss. So liegen beispielsweise die Daten bei vielen Anbietern in der Cloud und somit auf Servern außerhalb Deutschlands. Hier kann es ohne rechtliche Absicherung schnell zu Schwierigkeiten und Problemen kommen. Aus diesem Grund etablieren sich aktuell Anbieter, welche exakt auf den deutschen Markt zugeschnitten sind und den notwendigen Datenschutz besonders ernst nehmen. Solche Lösungen sind vor allem bei flexiblen Arbeitszeitregelungen besonders hilfreich, da beispielsweise die abends genutzte Zeit für die Beantwortung von Geschäftsmails ebenso erfasst werden kann wie die Kernarbeitszeit vor Ort.

Die Vor- und Nachteile der Arbeitszeiterfassung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Eine durch den Gesetzgeber vorgeschriebene Arbeitszeiterfassung bringt allerdings sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Betrachten wir zunächst einmal die Seite der Arbeitgeber. Diese müssen nun nicht nur Mittel zur Arbeitszeiterfassung in die eigenen Betriebsabläufe integrieren, sondern die erfassten Daten selbstverständlich auch auswerten. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, da nun die Arbeitnehmer die volle Arbeitszeit arbeiten müssen. Doch das kann in vielen Branchen auch zu einem Problem werden. Denn in vielen Berufen gehören Überstunden praktisch zum Alltag. Wird nun die gesamte geleistete Arbeitszeit erfasst, kann der Arbeitgeber schnell Probleme bekommen, da der Arbeitnehmerschutz nicht eingehalten wird. Es kann also in manchen Branchen schnell problematisch werden, wenn alle Arbeitszeiten umfassend erfasst werden müssen.

Auch aus Arbeitnehmersicht ist die Zeiterfassung ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite fühlt sich die Erfassung der Arbeitszeit stark nach Kontrolle durch den Arbeitgeber an, während der normale Arbeitnehmer sich in der Regel Vertrauen von seinem Arbeitgeber wünscht. Allerdings kann eine solche Zeiterfassung auch helfen, die eigene Mehrarbeit umfassend zu dokumentieren und somit aus dieser Erfassung Rechtsansprüche geltend zu machen. Es hängt also viel von Arbeitsleistung und Arbeitsmotivation ab, ob die Erfassung der Arbeitszeiten positiv aufgenommen wird.

Gefahren durch Zeiterfassung: Von Kontrollwahn bis Überwachung

Eine Zeiterfassung kann allerdings auch zu einem echten Problem werden, wenn Unternehmen und Arbeitnehmer nicht richtig miteinander harmonieren, sondern gefühlt gegeneinander arbeiten. Denn eine umfassende Arbeitszeiterfassung kann von den Mitarbeitern als Kontrolle ausgelegt werden und somit das Betriebsklima noch weiter vergiften. Unternehmen sind aus diesem Grund gut beraten, die Erfassung der Arbeitszeiten mit den Mitarbeitern abzustimmen und gemeinsam mit diesen nach gangbaren Lösungen zu suchen. Wenn Unternehmen es mit der Kontrolle übertreiben und eventuell sogar unberechtigt umfangreiche Daten erheben, kann dies durchaus zu Problemen mit der Datenschutzgrundverordnung führen und im schlimmsten Fall abmahnbar sein. Es gilt also in jedem Fall die richtige Balance zu wahren.

Zeiterfassung und flexible Arbeitszeiten können sich ergänzen

Auf der anderen Seite kann eine gute und vor allem einfach zu nutzende Zeiterfassung auch viele Vorteile mit sich bringen. So wird beispielsweise transparent, wie viel Arbeit die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Unternehmen wirklich geleistet haben. Somit ist es problemlos möglich, diese Arbeitszeiten auszugleichen und beispielsweise verkürzte Arbeitstage vor dem Chef oder auch den anderen Mitarbeitern des Teams zu rechtfertigen. Zudem ist eine gute Arbeitszeiterfassung auch eine Entlastung der Mitarbeiter, da diese mit der Zeit vermeiden, zu viel und zu lange zu arbeiten. Eine genaue Erfassung der geleisteten Arbeitszeit hilft beispielsweise das eigene Arbeitspensum zu verringern, wenn dies deutlich über der Norm liegt. Somit kann die Erfassung der Arbeitszeit ein wichtiges Instrument für Mitarbeiter werden, um eine Überlastung durch den Arbeitgeber zu dokumentieren und diese Belastung zu reduzieren. Es muss also nicht zwingend ein Kontrollinstrument des Arbeitgebers sein, sondern kann auch als Waffe der Arbeitnehmer für gerechtere Arbeitszeiten genutzt werden.

Fazit: Eine gute Umsetzung der Zeiterfassung kann sich lohnen

Eine kluge und flexible Erfassung der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber kann zu Vorteilen auf beiden Seiten führen. Wichtig ist, dass die Form der Zeiterfassung zu den Arbeitszeitmodellen passt und dass sich die Mitarbeiter nicht vom Arbeitgeber strukturell kontrolliert fühlen. Eine gut implementierte Erfassung der Arbeitszeiten schützt sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer und lässt sich problemlos in die verschiedenen Unternehmen integrieren. Eine offene und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollte dabei immer die Grundlage jeder Einführung sein.

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