12 April, 2019

Erholung auf beschränktem Raum: Wie man trotz Platzmangel eine Mitarbeiteroase integriert

Ständig klingelt das Telefon, der Drucker surrt ununterbrochen, geschlossene Fenster, um den Verkehrslärm abzuhalten. Unter diesen Bedingungen fällt es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Dabei verwandeln nur kleine Veränderungen der räumlichen Gestaltung ein beengtes Büro mitten im Ruhrgebiet in eine Mitarbeiteroase.

Die Macht der Farben

Unabhängig von der persönlichen Lieblingsfarbe eines Menschen üben alle Farben eine unterschiedliche Wirkung auf die Psyche aus. Der Effekt reicht von

  • der Beeinflussung des Temperaturempfindens
  • über die räumliche Wahrnehmung (Tiefe und Größe eines Raumes)
  • bis hin zur Stimmungsaufhellung oder -verschlechterung

Insbesondere letzterer Punkt spielt eine große Rolle, um das Arbeitsklima innerhalb eines Unternehmens zu beeinflussen.

Forscher gehen davon aus, dass die farbliche Umgebung unterbewusst das Verhalten eines Menschen steuert.

Viele Nuancen rufen dabei bei allen Personen ähnliche Effekte aus. Doch Achtung, manche Farbtöne werden von Kultur zu Kultur anders betrachtet und beruhen eher auf Erfahrungen und persönlichen Assoziationen. Wer aber die Wirkung verschiedener Farben kennt, kann diese gezielt einsetzen, um einen Büroraum freundlich zu gestalten und eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Im Fokus stehen vier Grundfarben, aus denen sich weitere Nuancen mischen lassen.

Rot

Die Farbe der Liebe, des Blutes und der Leidenschaft hat sowohl negative als auch positive Eigenschaften. Das menschliche Auge erfasst diese Farbe als erstes und behält rote Gegenstände am längsten im Gedächtnis. Einerseits wirkt sie wärmend und anziehend, kann bei zu hoher Intensität aber auch dominant und erdrückend erscheinen. Rot wirkt anregend und energiebringend, löst aber gleichzeitig Aggressivität hervor. Am Arbeitsplatz ist Rot als Wandfarbe daher ungeeignet, zumal es den Appetit anregt. Menschen, die in ihrem Beruf ohnehin unter Zeitdruck stehen, sollten rote Räume unbedingt meiden.

Gelb

Ebenso ist Gelb eine wärmende Farbe, die Räume optisch zwar kleiner erscheinen lässt, wohl aber die beste Wahl für Büroräume darstellt. Gelb erhellt das Gemüt, weckt Sympathien und Optimismus, schärft die Gedächtnisleistung sowie die Kreativität. Forscher fanden heraus, dass gelbe Räume Menschen zum Reden anregen, weshalb man in Tagungsräumen häufig auf gelbe Tapete setzt.

Blau

Den ersten Platz als geeignete Wandfarbe muss sich das Gelb jedoch mit blauer Tapete teilen. Zwar verbinden Menschen diese Farbe im ersten Moment mit Kälte, allerdings symbolisiert die Lieblingsfarbe der Deutschen gleichzeitig die Weiten des Horizonts und des Ozeans. Diese Assoziation geht mit Ruhe, Entspannung und Frieden einher. Für Computerarbeiten, bei der keine Kommunikation gewünscht ist, verschafft Blau eine angenehme, beruhigende Atmosphäre. Blaue Räume fokussieren die innere Ausgeglichenheit und steigern somit die Konzentration.

Grün

Grün ist ein wahrer Alleskönner unter den Farben. Es wirkt sowohl belebend und erfrischend als auch harmonisch und beruhigend. Kein Wunder, verbindet der Mensch das Grün unmittelbar mit der Natur. Mit dieser Wandfarbe gelingt es auf einfachste Weise, inmitten der hektischen Großstadt eine kleine Oase zu schaffen. Überdies wird der Farbe eine kreativitätsteigerde Wirkung nachgesagt.

Tipp:

Zwar gelingt es mit den Farben Grün, Gelb und Blau eine beruhigende, leistungssteigernde Wirkung hervorzurufen, als alleinige Tapetenfarbe wirken sie jedoch aufdringlich und erdrückend. Die Nichtfarbe Weiß harmoniert mit jedem Ton, macht den Raum optisch größer und strahlt ebenfalls Ruhe und Reinheit aus. Sie eignet sich hervorragend als Kombinationsfarbe. Schwarzes Interieur mit metallischen Akzenten erzeugt zwar einen modernen, edlen Eindruck, wirkt aber teilweise abweisend und prahlerisch. Solange es nicht zu bunt wird, schaffen farbliche Akzente eine freundliche Atmosphäre.

Grüne Pflanzen im grauen Großstadtdschungel

Nicht jeder hat das Glück, sich in der Mittagspause die Beine im Park zu vertreten. Dabei entspannt nichts so sehr wie eine naturnahe Umgebung. Pflanzen- ganz egal in welcher Form- sind deshalb ein Muss in jedem Büroraum. Dass Botanik nicht nur die Leistungsfähigkeit sondern überdies die Zufriedenheit der Angestellten steigert, fanden englische, australische und niederländische Wissenschaftler anhand von Praxistests heraus und veröffentlichten ihre Studie 2014 im "Journal of Experimental Psychology".

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt, der von Büropflanzen ausgeht, ist die verbesserte Luftqualität, die insbesondere am Arbeitsplatz zu erhöhter Konzentration beiträgt.

Selbst die NASA zog einfache luftreinigende Pflanzen technisch hochversierten Belüftungsanlagen vor. Folgende Arten reinigen nachweislich die Luft von Schadstoffen sowie CO2:

  • Efeutute
  • Kentia Palme
  • Dieffenbachia
  • Drachenbaum
  • Einblatt
  • Birkenfeige
  • Bogenhanf
  • Grünlilie
  • Glückskastanie
  • Orchidee
  • Klivie
  • Yucca Palme
  • Friedenslilie
  • Zimmerlinde
  • Kaktus
  • Bonsai

Büropflanzen bei Platzmangel

Selbst im kleinsten Büroraum findet sich ein Platz für eine Grünpflanze- auch abseits des Schreibtisches. Sperrige Raumteiler lassen sich beispielsweise perfekt durch eine Kübelpflanze ersetzen. Sind Lärmschutzwände jedoch erforderlich, kann man auch diese begrünen lassen. Beliebt sind Moose, wobei blühende Pflanzen ebenfalls möglich sind.

Wie Licht die innere Uhr beeinflusst

Nicht nur Pflanzen benötigen Licht. Auch der Mensch bevorzugt instinktiv helle Räumlichkeiten. Allerdings ist die Lichtqualität von großer Bedeutung. Hierbei gilt es, das blaue, künstliche Licht von gelbem, warmen Licht zu trennen. Letzteres ähnelt dem normalen Tageslicht, dient quasi als elektrischer Ersatz, um eine dauerhafte Helligkeit zu gewährleisten. Allzu oft setzen Unternehmen aber blaues Licht ein, welches intensiver leuchtet und somit wach macht. Diese Art der Beleuchtung geht vornehmlich von Elektro-Geräten wie Computerbildschirmen aus. Gleichsam sorgt es im Privatleben dafür, dass Menschen, die vor dem Zubettgehen Fernsehen schauen, unter Einschlafschwierigkeiten leiden. Der menschliche Organismus besitzt eine durch Hormone gesteuerte innere Uhr, die den Wach- und Schlafzustand regelt. Künstliches, intensives Licht, das der Tageszeit nicht entspricht, bringt die innere Balance aus dem Gleichgewicht. Dämmerlicht ist aus folgenden Gründen zu vermeiden:

  • schnelles Ermüden
  • erhöhte Gefahr für Arbeitsunfälle wegen schlechter Sichtbarkeit    
  • Kopfschmerzen
  • daraus resultierende Verspannungen
  • allgemeine Schädigung der Sehkraft

Tipp:

Gegen das vom Computer ausgehende blaue Licht helfen Brillen mit orange getünchten Gläsern. Sie filtern lediglich die gesunden Lichtwellen und schützen die Augen auf diese Weise vor dem Ermüden.

Let the sunshine in

Das beste Licht ist immer noch das Tageslicht. Schwere Rollläden und Vorhänge sind im Büro deshalb fehl am Platz. Ideal ist eine Fensterfront, die nach Osten ausgerichtet ist, da die Hauptarbeitszeit vornehmlich in den Vormittagsstunden liegt und der Mensch in dieser Zeit am produktivsten ist. Zwar entfaltet die Sonne erst gegen Mittag ihre volle Kraft, im Sommer staut sich jedoch die Hitze, wenn die Fenster nach Süden ausgerichtet sind. Bei hoher Lichteinstrahlung muss aber ein Blendschutz vorhanden sein.

Weltreise in der Mittagspause

Die Arbeit ruhen lassen und gedanklich in die Ferne schweifen. Eine erholsame Mittagspause spendet neue Energie. Bestenfalls haben die Mitarbeiter die Gelegenheit, einen sogenannten Power Nap zu halten. Dabei handelt es sich um einen etwa zehn minütigen Mittagsschlaf, der nachweislich die Leistung steigert. Ideal ist demnach ein separater Ruheraum mit Sitzgelegenheiten und bereitliegenden Schlafmasken. Viele Berufstätige machen den Fehler, auch in der Mittagspause nicht abzuschalten und sich weiter der Arbeit zu widmen. Dieses Verhalten verfehlt jedoch den eigentlichen Effekt einer kleinen Auszeit und führt gegenteilig zu noch mehr Druck. In der Pause sollten sich die Gedanken um angenehme Dinge drehen. Eine kleine Traumreise kann hierzu behilflich sein. Reichen die Platzkapazitäten für einen Ruheraum nicht aus, wären Audioanlagen mit Kopfhörern eine Alternative. Mediterrane Musik oder eine Anleitung zur Muskelentspannung nach Jakobsen lenken vom Büroalltag ab. Somit hat der Berufstätige auch direkt am Schreibtisch die Möglichkeit, sich geistig von seinen Kollegen und der Umwelt abzugrenzen. Zusätzlich helfen Fototapeten, den Blick zu weiten und in die Ferne zu schweifen. Ein weiter Horizont, grüne Landschaften oder auch die afrikanische Savanne geben ein Gefühl der Weite und öffnen Türen in eine andere Welt.

Entspannung aus Fernost

Vielen Menschen hilft es Yoga zu praktizieren, um seelisch abzuschalten. Kein Wunder, ist doch die fernöstliche Gesellschaft meisterhaft in Entspannungsübungen. Kleine Einflüsse aus dem asiatischen Raum, etwa das Plätschern eines Zimmerbrunnens wirken ebenso beruhigend wie eine Inneneinrichtung nach der Fengshui Lehre. Folgende Regeln sollten dabei beachtet werden:

  • der Schreibtisch ist so ausgerichtet, dass der Arbeitende mit dem Rücken zur Wand sitzt und in den Raum blickt
  • das Büro sollte offen erscheinen und nur das notwendige Interieur besitzen
  • alle Mitarbeiter sollten auf Ordnung achten

Das Glück der kleinen Dinge

Manchmal sind es ganz unscheinbare Dinge, die glücklicher machen. Kleine Rituale geben Sicherheit und wappnen für große Aufgaben. Viele Menschen brauchen ihren morgendlichen Kaffee, um überhaupt einen Finger zu rühren. Eine Kaffeemaschine sollte sich in jedem Büro befinden. Etwas luxuriöser kommt eine Mini-Bar oder auch nur ein kleiner Kühlschrank mit gekühlten Getränken daher. Hier könnten die Berufstätigen auch ihre von zu Hause mitgebrachten Speisen unterbringen, sofern sie nicht in der Kantine essen wollen. Apropos zu Hause, jedem Mitarbeiter sollte es gestattet sein, seinen Schreibtisch mit privaten Gegenständen zu dekorieren, solange sich der Umfang auf ein annehmbares Maß beschränkt und sich Kollegen nicht durch ethische Reize verärgert fühlen.

Tipp: Fotos von Angehörigen oder ein persönlicher Talisman schenken Geborgenheit.

 

Gesundheit steht an erster Stelle- der ergonomische Arbeitsplatz

Rückenschmerzen und Nackenverspannungen werden ein zunehmendes Problem vieler Berufstätiger. Der ständige Blick auf den Bildschirm strengt an, langes Sitzen hemmt den Stoffwechsel und fördert Übergewicht.

Idealerweise hat der Arbeitende die Möglichkeit, seine Position nach Belieben zu verändern und zwischendurch im Stehen zu arbeiten. Dazu dienen ergonomische Schreibtische, die in der Höhe variabel sind. Gegebenenfalls unterstützt die Krankenkasse die Einführung dieser gesundheitlichen Maßnahme. In jedem Fall sollten die Bürostühle bequem sein und über eine Rückenlehne verfügen. Hin und wieder tut es gut, den Blick für einen kurzen Moment vom Bildschirm zu lösen, in den blauen Himmel zu schauen und sich entspannt zurück zu lehnen.

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