28 Juni, 2019

Familienfreundlichkeit als Mentalität

Pläne, wie die Arbeit von morgen in geltendes Recht für alle überführt werden können, haben es bis in das Bundesministerium für Arbeit geschafft. Entsprechende Entwürfe sehen zum Beispiel vor, Arbeitnehmern ein Recht auf Home Office zu ermöglichen. Droht den Arbeitgebern im Ringen um die Deutungshoheit neuer und innovativer Arbeitsplatzmodelle damit ein Kontrollverlust? Ein exemplarischer Blick auf die Situation bei der Siegener connecT SYSTEMHAUS AG zeigt, dass moderne Unternehmen den politischen Bestrebungen nach individuellen und flexiblen Arbeitsbedingungen längst enteilt sind.

Fachkräftemangel und zurückgehende Bewerberzahlen sind erste Vorboten des demografischen Wandels in Deutschland. Kleine seismografische Ausschläge sorgen schon dafür, dass Unternehmen die Auswirkungen deutlich spüren. Längst können die Verantwortlichen bei der Besetzung offener Stellen nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Mit ausgefeilten Personalentwicklungsprogrammen und zielgerichteten Employer-Branding-Strategien wappnen sich die Branchengrößen, um den Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen. Damit die eigenen Chancen im Wettbewerb um die hellsten Köpfe steigen, bemühen DAX-notierte Unternehmen das ganz große PR-Besteck. Unter dem Claim „The Future in Motion“ hat sich beispielsweise die in Hannover ansässige Continental AG eine ganzheitliche Personalpolitik verordnet, die auf den gesamten Konzern ausstrahlt, auf Nachhaltigkeit abzielt und die Grundlagen für flexibles Arbeiten legt.

Eigenen Angaben zufolge profitieren rund 90 Prozent der Belegschaft des Automobilzulieferers von den verschiedenen Optionen flexibel zu arbeiten. Teil- und Gleitzeitmodelle, mobiles Arbeiten oder Sabbaticals – also befristete Auszeiten vom Job mit Rückkehrgarantie – ermöglichen es den Beschäftigten, Arbeit und Privatleben zufriedenstellend miteinander zu verbinden. Gemeinsames Ziel von Arbeitgeber und Arbeitnehmern ist es, die Arbeitswelt so zu formen, dass beide Seiten die individuellen Fähigkeiten und Vorstellungen in jeder Lebensphase bestmöglich nutzen können. Maßnahmen wie diese dienen dazu, die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter und die Ziele des Konzerns miteinander in Einklang zu bringen. Gleichzeitig erscheinen sie als probates Mittel, um den Herausforderungen des demografischen Wandels mit strategischen Mitteln zu begegnen.

Chancen und Möglichkeiten des Mittelstands

Szenenwechsel: Siegen ist nicht nur das Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum in Südwestfalen. Die verarbeitende Industrie ist geprägt durch einen hohen Anteil metallverarbeitender Betriebe mittelständischen Ursprungs. Indirekt konkurrieren die ansässigen Unternehmen mit Big Playern wie Continental um die besten Fachkräfte. Wer in diesem Wettbewerb die Nase vorn haben wird, ist längst nicht entschieden. Das Beispiel der in Siegen ansässigen connecT SYSTEMHAUS AG verdeutlicht, dass auch als IT-Dienstleister eine moderne, auf Individualität abgestimmte Personalentwicklung, intelligente Arbeitszeitmodelle und die Rahmenbedingungen mittelständischer Unternehmen sich nicht ausschließen müssen.

Personalentwicklung und individuelle Arbeitszeitmodelle zählten bereits bei der Gründung der connecT SYSTEMHAUS AG im Jahr 1996 zu den zentralen Themen. Zum Hintergrund: Der heutige Vorstand Jens Dimter verfolgte die Geschäftsidee, Unternehmen mit leistungsfähiger Hardware, dazugehörigem Verbrauchsmaterial sowie Dienstleistung auszustatten. Was heute wenig spektakulär klingt, traf seinerzeit den Nerv der Zeit. Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich unternehmerische Erfolge rasch einstellten. Mit ihnen begann das beeindruckende Wachstum des Siegener Systemhauses. Weniger strategisch als vielmehr den Erfordernissen der frühen Jahre geschuldet, hat Dimter seinerzeit ein familiäres Denken tief in der Unternehmens-DNA verankert. Um die Arbeit zu bewältigen, war auch die Familie gefordert. „Die Keimzelle des Unternehmens liegt eindeutig in der Familie“, sagt Jana Dimter-Hammerstein. Als Schwester verbindet die Verantwortliche für Unternehmenskommunikation mit dem Vorstand sinnbildlich ein enges familiäres Band.

Dynamisches Wachstum erfordert Wandlungsfähigkeit

Schon in den Gründerjahren war der Begriff „connecT-Familie“ im Unternehmen fest etabliert. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, konstatiert Dimter-Hammerstein. Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Mitarbeiter im Laufe der Jahre auf heute über 30 Mitarbeiter vervielfacht hat, ist das durchaus beachtlich. Schließlich fordert ein derart dynamisches Wachstum die Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens immer heraus. So wurde aus räumlichen Gründen im Jahr 2007 der Umzug an den heutigen Standort unausweichlich. Im festen Rhythmus folgten Umbauten und Erweiterungen, weil die rasante Unternehmensentwicklung immer wieder dafür gesorgt hat, dass räumliche Limits erreicht wurden. Folgerichtig steht eine neuerliche Erweiterung bereits ins Haus. Und die Einstellung von weiteren Mitarbeitern ist ebenfalls geplant.

Wenn sich die Kollegen untereinander wie eine große Familie betrachten, dann wird Familienfreundlichkeit zur Mentalität. Und diese wird connecT in der Zwischenzeit sogar offiziell bescheinigt. Landrat Frank Beckehoff überreichte der connecT SYSTEMHAUS AG im Jahr 2017 im Rahmen einer Feierstunde in Olpe die Zertifizierung für besondere Familienfreundlichkeit mit den Worten:

Eine Re-Zertifizierung der Familienfreundlichkeit wurde kürzlich erteilt. Dass beide Auszeichnungen ohne Auflagen erfolgten, ist für Dimter-Hammerstein nicht weiter verwunderlich. „Für uns ist es selbstverständlich, dass die Mitarbeiter unterstützt werden“, berichtet die 46-Jährige. „Wir bieten auch Familien einen geschützten Raum in unserem Unternehmen.“

Für uns ist es selbstverständlich, dass die Mitarbeiter unterstützt werden.

Für uns ist es selbstverständlich, dass die Mitarbeiter unterstützt werden.

Jana Dimter-Hammerstein

Schicksalsschläge fängt die Gemeinschaft auf

Unterstützung der Familie bedeutet für die Beschäftigten bei connecT ganz konkret, dass werdende Eltern unterstützt werden. So können bspw. Arztbesuche (Ultraschallsitzungen, etc.) gemeinsam besucht werden. Während der Elternzeit sorgt das Unternehmen mithilfe moderner Technik für einen guten Kommunikationsfluss, so dass der Wiedereinstieg reibungslos erfolgen kann. Besonders wichtig für Familien: Die Gebühren für den Kindergartenbesuch der Sprösslinge übernimmt connecT mit Selbstverständlichkeit. Bei Urlaubsplanungen finden die Wünsche von Eltern Berücksichtigung. „Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind nun einmal an die Schulferien gebunden“, weiß Dimter-Hammerstein als Mutter von Zwillingen aus eigener Erfahrung. Flankiert werden diese Regelungen durch eine ganze Fülle von Optionen, welche die Mitarbeiter in Anspruch nehmen können. „Mit flexiblen Regelungen zur Arbeitszeit kommen wir den individuellen Anforderungen, denen sich unsere Mitarbeiter gegenüberstehen, entgegen“ erklärt Dimter-Hammerstein.

Ein flexibles Vorgehen und schnelles Handeln in Krisen und Extremsituationen – falls ein Kind oder Angehöriger plötzlich erkrankt, bei Problemen in der Schwangerschaft, etc. – ist ebenfalls gewährleistet. Grundlage für das Funktionieren dieser und ähnlicher Regelungen ist ein Vertrauensvorschuss, von dem alle Mitarbeiter profitieren. In der Vergangenheit gab es beispielsweise mehrfach Situationen in denen es den Mitarbeitern ermöglicht wurde, sich mit freiem Kopf erst mal um wichtige Familiendinge zu kümmern. „Das macht uns stark“, weiß Dimter-Hammerstein. „Wenn das Schicksal zuschlägt, dann werden unsere Mitarbeiter von der Gemeinschaft aufgefangen.“ Dieser Ruf als familienfreundliches und empathisches Unternehmen eilt connecT inzwischen voraus. Gleichzeitig wurde so das Empfehlungsmarketing angestoßen. „Mehrere Stellen konnten in der Vergangenheit über Empfehlungen aus dem Kreis der Belegschaft besetzt werden“, berichtet die Vertriebsmitarbeiterin. „Wenn die eigenen Mitarbeiter als Botschafter des Unternehmens auftreten, dann ist das die Krönung der Mitarbeitergewinnung.“ Möglicherweise ist der Fachkräftemangel deswegen noch nicht bei der connecT SYSTEMHAUS AG angekommen.

Motivationsdiagnostik zur nachhaltigen Personalentwicklung

Vor diesem Hintergrund muten Regelungen zum mobilen Arbeiten fast schon selbstverständlich an. Sie sind es natürlich nicht. Dennoch bietet connecT Mitarbeitern die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Alle erforderlichen Utensilien zum sogenannten Home Office werden gestellt. Flexible Arbeiten können frei terminiert werden, so dass persönliche Verpflichtungen und die Arbeit in Einklang gebracht werden können. Derartige Maßnahmen zahlen auf eine neue Form der Mitarbeiterführung ein.

Weiteres Ziel der connecT Personalpolitik ist es, den Mitarbeiter punktgenau mit seinen Bedürfnissen, Motivationen und Fähigkeiten im Unternehmen zu positionieren, um eine bestmögliche Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Vor diesem Hintergrund hat sich der sogenannte LUXX-Test zu einem Kernelement der Personalentwicklung herauskristallisiert. Der auf Prinzipien der Motivationspsychologie basierende Test kann den Facettenreichtum der menschlichen Persönlichkeit mithilfe von 16 trennscharfen Motiven erklären. Antriebe, Werte und Ziele werden auf Grundlegendes zurückgeführt und der Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt ermittelt. Am Ergebnis ist ablesbar, worin sich Menschen unterscheiden und was sie mit anderen verbindet.

Was nach einem enormen Aufwand klingt, erschöpft sich in der Beantwortung von 144 Fragen. Den Mitarbeiter ist freigestellt, ob sie an dieser Diagnostik teilnehmen möchten. In der Praxis stehen die Mitarbeiter dem Persönlichkeitstest allerdings offen gegenüber – auch, weil es im Ergebnis kein gut oder schlecht und auch kein richtig oder falsch geben kann. Nachdem die Fragen beantwortet sind, wird ein Profil erstellt. Das Ergebnis zeigt dann, welche Motivkombination einer Persönlichkeit zugrunde liegt. „Ziel ist es, die Individualität der getesteten Persönlichkeit besser zu verstehen und Erkenntnisse für die Organisation zu gewinnen“, fasst Dimter-Hammerstein zusammen. Was sehr theoretisch klingt, liefert handfeste Resultate für die Praxis. So kann es sein, dass der Test z.B. erkennt, dass ein Mitarbeiter eine strukturierte Persönlichkeit ist, die nur effektiv nach Plan arbeiten kann und Dinge am besten Schritt für Schritt erledigt. Oder anders formuliert: Dieser Mitarbeiter fühlt sich mit Plänen wohler als ohne. „Da macht es wenig Sinn, wenn diese Person in unserem Service und Support arbeitet. Dort kommen tagtäglich neue, unvorhersehbare Situationen auf ihn zu, die nicht geplant werden können“, macht Dimter-Hammerstein deutlich, wie wertvoll dieses Wissen für beide Seiten sein kann.

Ganzes Potenzial der Mitarbeiter nutzen

Andererseits kann die Diagnostik auch ergeben, dass einige Mitarbeiter in einem Team am leistungsstärksten arbeiten oder mit gegenteiliger Ausprägung eben ihre Arbeit effektiver alleine vorantreiben. Der eine liebt es, Verantwortung zu übernehmen – der andere empfängt lieber das, was zu tun ist. So gibt es eine Bandbreite an Möglichkeiten, die man im Arbeitsalltag sortieren kann. „Nach diesem Prinzip haben wir uns die Persönlichkeiten unserer Mitarbeiter angeschaut, um herauszufinden, ob unsere Mitarbeiter an Ihren Positionen glücklich sind.“ Die Erfahrungen im Anschluss an ein rund zweistündiges Auswertungsgespräch waren ausnahmslos positiv. Die Testergebnisse, interne Workshops und Gespräche haben dafür gesorgt, dass man sich gegenseitig besser kennenlernt und auch die gegensätzliche „Ausprägung“ besser versteht.

„Das Schöne am Luxx-Profil sind die unterschiedlichen Ergebnisse“, sagt Dimter-Hammerstein. „Kein Mitarbeiter ist wie der andere.“ Exakt diese Vielfalt benötigen Unternehmen wie das connecT SYSTEMHAUS. In der Summe tragen der Facettenreichtum der Mitarbeiter und die unterschiedlichen Talente dazu bei, dass sich schlagkräftige Teams formieren können. Im Grunde ist das ganz ähnlich wie im Sport. Leistungsfähige Mannschaften mit einer gesunden Struktur bestehen aus unterschiedlichen Typen.

Gesundheit positiv beeinflussen

Damit diese Typen auch in körperlicher Hinsicht fit sind, unternimmt die connecT SYSTEMHAUS AG erhebliche Anstrengungen. Die zugrunde liegende Motivation hinsichtlich der betrieblichen Gesundheit ist so einleuchtend wie folgerichtig: Wir alle verbringen einen großen Teil unserer Zeit bei der Arbeit. „Was liegt also näher als das Arbeitsfeld so zu gestalten, dass es unserer Gesundheit förderlich ist“, stellt Dimter-Hammerstein eine rhetorische Frage ohne dabei die Antwort schuldig zu bleiben: „Nichts!“

Und so können die Mitarbeiter ein ganzes Bündel an Maßnahmen in Anspruch nehmen, die allesamt darauf abzielen, die Gesundheit positiv zu beeinflussen. Höhenverstellbare Schreibtische sind für alle Mitarbeiter ebenso obligatorisch wie Arbeitsplätze, die den aktuellsten ergonomischen Erkenntnissen entsprechen. Drucker für Arbeitsgruppen sind dezentral positioniert. Ein Aufstehen ist damit obligatorisch mit Druckaufträgen verbunden. Das beugt einseitigen Belastungen durch langes Sitzen vor. Nach Absprache ist eine Ernährungsberaterin aus dem Hause NEVIO Healthcare mit an Bord, die sich individuellen Anfragen der Mitarbeiter widmet und betreut. „Angebote wie diese nehmen unsere Mitarbeiter gerne an“, berichtet Dimter-Hammerstein. Erfolgreich war auch ein Kurs für die Raucherentwöhnung. „Mithilfe einer speziellen Methode hat ein Kollege es geschafft, seit mehr als einem Jahr rauchfrei zu bleiben.“

Sportliche Betätigung mit Arbeit verbinden

Dem Bewegungsmangel rücken die connecT’ler gemeinsam zuleibe. Ein betrieblicher Lauftreff findet zwei Mal in der Woche statt, ist gut besucht und dient dem Training für den jährlichen Firmenlauf. Einige Mitarbeiter nehmen darüber hinaus sogar auf die 42,195 Meter lange Marathonstrecke in Angriff. Fahrradtouren werden spontan bei guten Wetter nach Feierabend organisiert als weiteres Entspannungs-und Sportangebot. An den Kosten für den Besuch von Fitnessstudios, Schwimmbädern, Tanzstudios etc. (Interfit Verbund) beteiligt sich connecT in dem Wissen, dass die langfristigen Folgen des Bewegungsmangels hohe Kosten verursachen können. Und damit nicht genug: Durch eine Kooperation mit der NEVIO Healthcare GmbH können die Mitarbeiter sich sogar während der Arbeit sportlich betätigen und immer wieder neue Modelle testen. Was verrückt klingt, ist die neueste Entwicklung im Bereich der betrieblichen Gesundheit. Mithilfe sogenannter Schreibtischfahrräder gelingt es, sitzende Tätigkeiten mit sportlicher Betätigung zu verbinden. Die Erfolge sind verblüffend: Das Kurbeln auf dem Ergometer reduziert Rücken- und Gelenkschmerzen und sorgt durch die bessere Sauerstoffversorgung für mehr Energie und erhöhte Leistung. Das hilft im Privatleben und bei der Arbeit gleichermaßen.

Abschließend muss man anerkennen, dass der Vorstand der connecT SYSTEMHAUS AG Jens Dimter seit der Gründung immer neben der physischen auch die psychische Gesundheit der Mitarbeiter im Blick hat. Dabei hat er keine Kosten und Mühen gescheut, die connecTler zu stärken, was sich mit Sicherheit auch auf die hohe Qualität der Arbeit in diesem Unternehmen auswirkt. Eine Personalpolitik, die aufgeht.

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