12 August, 2019

Herausforderungen des Generationenwandels

Wenige Begriffe werden so oft missverstanden und fehlinterpretiert wie der Begriff der Generationen. Jeder neuen Generation werden Eigenschaften unterstellt, die dieser zunächst völlige Unbrauchbarkeit im Hinblick auf das kommende Berufsleben attestieren. Die einen seien faul, die nächsten völlig weltfremd und wieder anderen wird und wurde eine falsche Haltung bezüglich Arbeitsarten und -formen unterstellt. Erstaunlicherweise ist bisher aus den allermeisten entgegen jeder Vorhersage doch noch immer eine alltagstaugliche Generation geworden.

Das Problem wird allerdings deutlich: Generationen stehen in den Augen vieler für Eigenschaften, mit denen die Vorgänger-Generationen sich häufig nur schlecht identifizieren können. Mangelndes Verständnis gepaart mit einer erhöhten Portion Arroganz befeuern einen Generationenkonflikt, noch bevor sich eine neue Generation überhaupt behaupten konnte.

De facto arbeiten in allen Unternehmen Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen. Es ist nicht abzustreiten, dass Mitarbeiter aus verschiedenen Generationen andere Sichtweisen, andere Prioritäten, sogar andere Denkstrukturen aufweisen. Für erfolgreiche Unternehmen ist es aber essenziell wichtig, diese zu verstehen, zu bedienen und richtig einzusetzen.

Die Entstehung von Generationen

Menschen durchlaufen in ihrem Leben verschiedene Prägephasen. Die erste wichtige Prägephase befindet sich gleich nach der Geburt, die zweite Prägephase beläuft sich auf den Zeitraum zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr. Diese Prägung wird auch als Generation definiert. Dabei sind vor allem historische und kulturelle Ereignisse von besonderer Bedeutung. Kriege, Nöte und eine generelle Armut prägen die Menschen außergewöhnlich stark, aber auch gesellschaftliche Trends haben großen Einfluss auf Einstellungen und Erwartungen einer Generation. Dies war in der Vergangenheit beispielsweise der politische und kulturelle Einfluss der 68-er Bewegung. Heutzutage sind es vor allem die Themen Globalisierung und Digitalisierung, welche die heutige Generation prägen.

Die Forschung weiß heute: Wertvorstellungen aus der Prägephase bzw. den Ereignissen während der Prägephase halten weitestgehend an. Generationen in der Prägephase sind besonders anfällig für Zeitgeist. Die Prägung findet dabei immer nach einem bestimmten Muster statt: Was ich habe, will ich behalten. Was ich nicht habe, will ich erreichen. Außerdem spielen der Zeitgeist sowie der Drang nach Selbstverwirklichung immer eine zentrale Rolle.

Generationen und elementare Denkstrukturen sind also keine Frage des Alters oder der Lebensphase. Einer Generation gehört man für den Rest seines Lebens an.

Babyboomer

Die älteste, noch im Berufsleben stehende Generation ist die der Babyboomer. Zu dieser Generation gehören alle Menschen, die zwischen 1956 und 1965 geboren sind. Die Babyboomer wuchsen unter dem Eindruck der ersten Mondlandung, Woodstock und den ersten Fernsehgeräten auf. Die Menschen streikten gegen Universitäten und es entwickelte sich eine „Alles-ist-möglich-Mentalität". Babyboomer wollten sich nicht mehr einschränken lassen, gingen neue Wege und verfolgten ihre Ziele. Im späteren Verlauf prägten sie maßgeblich den Begriff Workaholic.

Bis heute ist der Bevölkerungsanteil der Babyboomer hoch. Der Fachkräftemangel fußt insbesondere auf der Tatsache, dass mit dieser Generation eine große Anzahl von Mitarbeitern zeitgleich aus dem Arbeitsalltag ausscheidet.

Generation X

Die Generation X folgt den Babyboomern. Die zwischen 1966 und 1980 geborenen Menschen wuchsen unter dem Eindruck des Endes des Kalten Kriegs auf. Sie erlebten den Mauerfall, den ersten Kassettenrekorder und wurden musikalisch von Nirvana begleitet. Sie gelten als die Skeptiker oder auch „The Lost Generation“ – sie erlebten den Aufbruch traditioneller Rollenbilder, Scheidungen, Patchworkfamilien und gescheiterte Autoritäten. Während die Babyboomer alle Kraft in die Arbeit und das Erreichen von Wohlstand legten, ist das Arbeitsleben für X-ler kein alleiniger Lebensinhalt mehr. Arbeiten gilt als Mittel zum Zweck, den Wohlstand beizubehalten. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance, Freiräume und die Möglichkeit zum selbstständigen Arbeiten beflügeln diese Generation.

Generation Y

Zwischen 1981 und 1995 ist die Generation Y geboren – heute in der Abgrenzung nicht ganz eindeutig oft auch als Millennials bezeichnet. Unter dem Eindruck der Digitalisierung und einer zunehmenden Terrorgefahr aufgewachsen, gilt diese Generation heute als optimistisch, flexibel und multifunktional einsetzbar. Die Macher-Mentalität und die Sinnsuche im Arbeitsleben rechtfertigen auch höhere Arbeitsbelastungen und eine zunehmende Vermischung von Beruf und Privatleben. Bereits in der Erziehung dieser Generation spielte Mitbestimmung eine wichtige Rolle, die sie auch im Berufsleben suchen. Teamwork, flache Hierarchien und die Sinnsuche sind zentrale Eckpfeiler ihres Selbstverständnisses. Stimmen die äußeren Parameter, ist die Generation gemeinhin leistungsstark und bereit, mehr Zeit, Aufwand und Kraft in den Arbeitsalltag zu investieren als augenscheinlich nötig. Der Begriff Work-Life-Blending wurde von dieser Generation geprägt.

Generation Z

Die derzeit jüngste Generation, deren erste Vertreter mittlerweile im Arbeitsalltag angekommen sind, ist die Generation Z, die derzeit alle Jahrgänge ab 1995 zusammenfasst.

Unter dem Eindruck der Globalisierung und Flexibilisierung auf der einen Seite, und strukturgebenden Maßnahmen auf der anderen Seite, ist diese Generation vielleicht die zerrissenste Generation des letzten Jahrhunderts. Globalisierung, Agilisierung und Virtualisierung stehen im direkten Kontrast zu dem totalen Sicherheitsbedürfnis, welches dieser Generation durch Helikoptereltern und Bolognareformen eingebläut wird. Sie befinden sich im ständigen Spannungsfeld zwischen Struktur (sind sie gewohnt), Sicherheit (suchen sie, haben sie aber nicht), Wohlfühlen (Zeitphänomen) und Selbstverwirklichung (wollen alle Generationen). Das erklärt auch das Bedürfnis nach einer klaren Abgrenzung von Beruf und Privatleben. Feste Strukturen und die Suche nach dem Sinn im Privaten unterscheiden diese Generation extrem von der vorangehenden Generation der Y-loner.

Fachkräftemangel

Die Betrachtung der Generationen macht deutlich: In jedem Unternehmen treffen eine Vielzahl von Lebensvorstellungen, Ideale, Wünsche und Bedürfnisse aufeinander – unabhängig von den individuellen Bedürfnissen eines jeden einzelnen Mitarbeiters.

Die verschiedenen Ströme zu kennen, zu interpretieren und zu bedienen wird in Zukunft zu einer der größten Herausforderungen im Kampf um die besten Fachkräfte. Denn: Diversitymanagement fängt bei den Generationen an. Im viel zitierten „War for Talents“ geht es nicht mehr nur noch um monetäre Faktoren, Mitarbeiter wollen überzeugt werden – und das auf allen Kanälen.

Schubladendenken aufbrechen

Wir beobachten derzeit eine Konzentration auf die Bedürfnisse der Generation Y. Dabei dürfen jedoch die anderen Generationen nicht übergangen werden. Schlauer wäre es, eine Kultur des gegenseitigen Verständnisses zu implementieren, die jeder Generation ihren Platz einräumt und die Chance zur Entfaltung gibt.

Die Chancen einer Mehrgenerationen-Belegschaft

Diversity hinsichtlich der Altersstruktur bietet verschiedene Vorteile. Jüngere Generationen können von älteren Generationen einiges lernen und von deren Erfahrungen profitieren. Dafür bringen neue Generationen und jüngere Arbeitnehmer oftmals mehr Kreativität und Mut in den Arbeitsalltag. Erfahrung, Effektivität, Innovation und Produktivität – dies sind nur einige Vorteile der Mehrgenerationen-Belegschaft. Eine gut gemanagte Mehrgenerationen-Belegschaft vereint das Know-how aus nahezu einem halben Jahrhundert. Diese Chance sollten Unternehmen nicht verstreichen lassen.

Individualität ist gefragt. Unternehmen sollten eine Führungskultur entwickeln, bei denen die Bedürfnisse und Erwartungen der einzelnen Generationen im Vordergrund stehen. Mit regelmäßigen Feedbacks und Mitarbeitergesprächen ist es möglich, die Ansprüche der verschiedenen Generationen zu identifizieren und anschließend zu berücksichtigen. Denn reines Schubladendenken ist fehl am Platz. Schließlich gibt es zusätzlich auch Unterschiede innerhalb einer Generation.

Letztendlich sind es die Führungskräfte, die aus den unterschiedlichen Mitarbeitern ein konstruktives Team formen müssen. Bei unterschiedlichen Einstellungen, Erwartungen, Ansprüchen und Charakteren sind Missverständnisse und Streitigkeiten die logische Konsequenz. Eine offene Unternehmenskultur, die auf gegenseitigem Verständnis und einer klaren Kommunikation beruht, ist dabei unumgänglich.

Gesund in die Silver Society

Darüber hinaus sind auch gesundheitliche Aspekte von eminenter Bedeutung. Denn die Ära der Menschen, die leben, um zu arbeiten, gehört der Vergangenheit an. Aus diesem Grund ist ein gesundheitsgerecht eingerichteter Arbeitsplatz für viele Mitarbeiter ein Must-have. Eine gesundheitsgerechte, ergonomische Büroausstattung hat positiven Einfluss auf das Arbeitsklima und ermöglicht zudem auch der älter werdenden Belegschaft einen möglichst langen Verbleib im Arbeitsleben.

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