25 April, 2019

New Work: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

New Work ist ein Sammelbecken der unterschiedlichsten Konzepte zur Gestaltung der Arbeit von morgen. Im Mittelpunkt der Bestrebungen steht die Humanisierung einer neu enstandenen globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt.

Was ist New Work?

Im engeren Sinn bezeichnet "New Work" ein zu Beginn der 1980er Jahre vom austro-amerikanischen Philosophen Frithjof Bergmann aufgestelltes Konzept. Bergmann forderte eine umfassende Umorganisation der Arbeitswelt auf der Grundlage von Selbstbestimmung, Freiheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Arbeit, so Bergmann, habe den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Sinnstiftende Tätigkeiten, Selbstverwirklichung und Erfüllung stehen im Mittelpunkt seines Ansatzes, der nach den radikalen Umwälzungen der Arbeitswelt durch Globalisierung, digitale Revolution und globale Konnektivität heute vielfach praktikabler erscheint als zu seinen Anfängen.

Im weiteren Sinn meint "New Work" auch neue organisatorische, logistische, soziale, arbeitspsychologische und ökonomische Ansätze, die

  • zu einer Flexibilisierung und Humanisierung der Arbeitswelt beitragen,
  • mit innovativen Konzepten der Beschäftigung, der Unternehmens- und Teamführung oder der Arbeitsplatzgestaltung experimentieren,
  • Potenziale ausschöpfen, die durch Digitalisierung und Globalisierung entstanden sind (Stichwort: Digital Nomads),
  • neue Formen selbstorganisierter Kooperation in der Arbeitswelt schaffen und nutzen (z.B. Networking, Scrum und Coworking).

Nicht immer, wenn von "New Work" oder "Arbeiten 4.0" die Rede ist, sind daher Frithjof Bergmanns Ansätze gemeint - vielmehr sind diese Begriffe eher als Sammelbegriffe zu verstehen, hinter denen eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte steht, die aus der Veränderung der Arbeitswelt und dem Bemühen um eine Neuausrichtung entstanden sind und noch entstehen.

Die ersten Anfänge von New Work

Den Begriff New Work oder Neue Arbeit prägte Frithjof Bergmann. Der promovierte Philosoph lebte und arbeitete vor allem in den Vereinigten Staaten. Dorthin hatte ihn ein Studienjahr gebracht, das ihm die österreichische Botschaft ermöglichte. Mit dem Begriff der Arbeit setzte sich Bergmann nicht nur theoretisch auseinander. Er lernte als Tellerwäscher, als Hafenarbeiter und am Fließband die harte Seite der Lohnarbeit aus eigener Anschauung kennen. Später, als er längst an der Universität Princeton, der Stanford-Universität, der University of Chicago und der University of Berkeley Lehraufträge innehatte, arbeitete er sein Konzept des New Work aus und gründete damit die New Work Bewegung. Bei seinen Reisen in die damaligen Ostblockländer setzte sich Bergmann kritisch mit dem Kommunismus auseinander, in dem er keine Zukunft mehr sah. Er entwickelte sein Konzept in der Arbeit mit Firmen, Gewerkschaften, Regierungen, aber auch Jugendlichen und Obdachlosen. So gründete Frithjof Bergmann im Jahr 1984 sein "Zentrum für Neue Arbeit" in der Stadt Flint in Michigan. Viele solcher Zentren, auch außerhalb der Vereinigten Staaten, folgten. Bergmann, der auch den Kapitalismus durchaus kritisch sah, schuf mit der New Work Bewegung eine Alternative zur herkömmlichen Arbeitswelt. Deren Umsetzung machte er immer mehr zu seiner Lebensaufgabe.

New Work entwickelt sich weiter

Natürlich setzten sich auch andere mit Bergmanns Ansatz auseinander. Einer der wichtigsten von ihnen war der 1975 geborene Markus Väth. Der deutsche Psychologe ist vor allem als Autor mehrerer wirtschafts- und arbeitspsychologischer Sachbücher wie beispielsweise "Feierabend hab' ich, wenn ich tot bin", "Beraterdämmerung. Wie Unternehmen sich selbst helfen können" und "Cooldown. Die Zukunft der Arbeit und wie wir sie meistern" bekannt. Er arbeitete als Business Analyst und danach freiberuflich als Referent, Coach und Berater. Daneben ist Markus Väth einer der Co-Founder des New Work-Think Tanks "humanfy" und setzt sich mit der wichtigen Rolle auseinander, die die New Work Bewegung seiner Meinung nach in der Arbeitswelt der Zukunft spielen kann. Tatsächlich verlangen die großen Umwälzungen, die die Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten erfahren haben, nach neuen Konzepten, um mit der veränderten Arbeitswirklichkeit umzugehen. Die Ansätze des New Work zum Umgang mit der digitalen Revolution, der Globalisierung, der neu entstandenen grenzenlosen Konnektivität des World Wide Web und dem Abbau traditioneller Arbeitsverhältnisse durch eine zunehmende Automatisierung, sowie des Entstehens neuer Formen digitaler und kreativer Dienstleistungen erscheinen vielen deshalb besonders reizvoll und vor allem praktikabel. Deshalb schließen sich weltweit immer mehr Menschen der New Work Bewegung an.

Herausforderungen durch New Work an Management und Teamführung

Die "New Work"-Bewegung ist heute ein enorm heterogenes Sammelbecken der unterschiedlichsten Theorien, Modelle und Ansätze. Die derzeitige globalisierte Wirtschaft mit ihrer hochkomplexen Arbeitsteilung bietet ein unerschöpfliches Feld für Experimente mit neuen Formen der Arbeit und liefert ständig neue interessante Ansätze für Management und Teamführung. Crowdsourcing, Scrum, Agilität, Co- und Networking, aber auch Auszeiten, Sabbaticals, betriebseigene Kitas und Home Office sind dem kollektiven Bemühen um die Arbeit der Zukunft zu verdanken - und ständig kommen neue Ideen hinzu, entstehen neue Start-Ups auf der Grundlage innovativer Ideen der Zusammenarbeit.

Sind menschlicher gestaltete Arbeitsplätze die besseren Arbeitsplätze?

Sind menschlicher gestaltete Arbeitsplätze die besseren Arbeitsplätze?

Wirtschaftspsychologische Erkenntnisse unterstützen Frithjof Bergmanns ursprüngliche Forderung, die Arbeit menschlicher zu machen:

Sinnstiftende Arbeit, die im Einklang mit individuellen Werten und Überzeugungen der Beschäftigten steht, beflügelt zu mehr Produktivität, reduziert Krankheitsausfälle, hebt den Teamzusammenhalt und fördert die Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen.Führung, so hört man längst nicht mehr nur von New Work-Theoretikern, sei heute auch vor allem Beziehungsmanagement, der Teamleiter mehr Coach als Befehlshaber, autoritäre Führungsstile Produktivitätsbremsen und Arbeitsklima-Killer. In diesem Sinn besteht eine der wesentlichsten Führungsaufgaben darin, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Raum lässt für eigene Vorstellungen der Beschäftigten, sie bei der Entfaltung ihrer Interessen und Kompetenzen fördert und ressourcenschonend mit ihren Kräften und ihrer Gesundheit haushaltet. New Work ist nicht zuletzt eine Kampfansage an ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse, die Menschen auf ihren rein funktionellen Wert reduzieren: Den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen heißt - so eine Kernthese des New Work -, die Wirtschaft wieder auf gesunde Füße zu stellen und Nachhaltigkeit zu schaffen.

Ausblicke: Wie kann die Arbeitswelt von morgen aussehen?

Manches von dem, was zu Bergmanns Zeiten noch utopisch klang, ist zumindest in unseren Breiten und zumindest für einen Teil der derzeit Erwerbstätigen schon Wirklichkeit geworden - zum Beispiel für den selbstständigen Grafikdesigner aus Portugal, der für eine Band in Korea über eine US-amerikanische Freelancer-Plattform einen Plakatauftrag abwickelt und sich per PayPal bezahlen lässt. Bis sich neue Führungsstile und Organisationsformen jedoch auf breiter Fläche durchsetzen und aus Experimenten Good Practice geworden ist, muss Zeit vergehen, müssen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet werden - ein Prozess, der mindestens seit zwei Jahrzehnten bereits im Gange ist. Fest steht schon jetzt: Die Arbeitswelt von morgen wird flexibler, digitaler, globaler sein - für Beschäftigte und Unternehmen jedoch nicht nur neue Handlungsfelder, Chancen und Wachstumsspielräume, sondern auch Unsicherheit und weitere Umwälzungen mit sich bringen. Ob sie auch humaner sein wird und für wen, ist eine offene Frage. "New Work" ist eine wichtige Strömung, um die berechtigte Forderung nach der Schaffung menschenwürdigerer Arbeitsverhältnisse im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten und Ideen und Anreize dazu zu liefern. Was davon letztlich umgesetzt werden wird, ist eine Frage, die derzeit noch nicht beantwortet werden kann.

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