4 November, 2019

Pausen im Arbeitsalltag: Regeneration und Produktivität

Zeit ist in der Arbeitswelt ein knappes Gut. In nahezu sämtlichen Branchen ist seit Jahren eine Beschleunigung der Prozesse zu beobachten. Der digitale Wandel trägt seinen Teil dazu bei. Mit dem steigenden Leistungsdruck und den zunehmenden Ansprüchen an Arbeitnehmer wird es schwieriger, sich von der Arbeit zu erholen. Pausen sind ein wichtiger Beitrag zur Regeneration. Pausenzeiten sind nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern dienen gleichzeitig der Gesundheit und der Produktivität.

Stellenwert der Pause im Arbeitsalltag

Die Arbeitszeit verlangt viele Ressourcen psychischer und körperlicher Art ab. Die Arbeitsproduktivität bleibt nur stabil, wenn man sich in bestimmten Abständen ausreichend erholen kann. Nach bestimmten Arbeitsphasen sind Pausen erforderlich, damit man neue Ideen entwickeln kann. Ohne solche Pausen leidet die Leistung messbar. Wer glaubt, ohne Pause durcharbeiten zu können, schadet damit letztlich sich selbst und dem Arbeitgeber.
Es kann in arbeitsreichen und stressigen Phasen eine Herausforderung sein, sich kurz von der Arbeit abzuwenden. Doch tragen bereits wenige Minuten Pause dazu bei, ganztägig leistungsfähig zu bleiben. Wer sich das vergegenwärtigt, wird guten Gewissens die notwendigen Pausen einhalten. 

 

Pausen und das Arbeitsrecht

Hinsichtlich der Pausenart und ihrer Länge gilt es zu unterscheiden zwischen arbeitsrechtlichen Vorgaben und individuellem Bedarf. Bestimmte Pausenzeiten schreibt der Gesetzgeber vor. Wie viel Pausenzeit und welche Gestaltung der Pause ein Arbeitnehmer braucht, kann davon abweichen.

Die juristische Grundlage für Pausenzeiten ist das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). § 4 ArbZG schreibt eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten vor, bezogen auf eine Arbeitszeit zwischen 6 und 9 Stunden. Beträgt die Arbeitszeit mehr als 9 Stunden, so sind Ruhepausen von 45 Minuten vorgesehen. Es ist möglich, die Pausen in mehrere Teile aufzuteilen. In diesem Fall muss die einzelne Pause jedoch mindestens 15 Minuten lang sein. 

Hierbei sind Pausen nach ihrer Art zu unterscheiden. Das Arbeitsrecht differenziert zwischen Arbeitspausen, Betriebspausen, Bildschirmpausen und Ruhezeiten. Die Arbeitspause ist eine Arbeitszeitunterbrechung, die meist einer tariflichen Regelung unterliegt. Je nach Branche können sich hier in Abhängigkeit der Tarife verschiedene Vorschriften finden. 
Eine andere Art der Pause ist die Bildschirmpause oder Lärmpause. Zur Entlastung der Augen muss es Arbeitnehmern gestattet sein, den Bildschirmarbeitsplatz regelmäßig kurz zu verlassen. Die Bildschirmpause gehört zur bezahlten Arbeitszeit. Die Ruhezeit ist eine in § 4 ArbZG geregelte Art von Pause. Sie bezieht sich auf die Pause zwischen zwei Tagen oder Schichten. Das Arbeitsrecht sieht vor, dass zwischen zwei Arbeitseinheiten mindestens 11 Stunden (zusammenhängend) Ruhezeit liegen. Von diesen Pausen zu unterscheiden sind Betriebspausen. Dies sind Unterbrechungen, in denen der gesamte Betrieb ruht. Gründe hierfür können beispielsweise Störungen im Betriebsablauf sein. Auch betriebliche Umstrukturierungen sind ein Grund. Betriebspausen gehören ebenfalls zur bezahlten Arbeitszeit. 

Pausen: Arten und Längen

Neben den vom Gesetzgeber vorgesehenen Pausenzeiten unterscheiden sich die Pausenregelungen von einem Unternehmen zum anderen. Im Idealfall gibt der Arbeitgeber den Mitarbeitern die Möglichkeit, über Art, Häufigkeit und Länge der Pausen in gewissem Rahmen selbst zu entscheiden. Die Frage nach der optimalen Länge und der Frequenz der Auszeiten ist arbeitspsychologisch relevant. Zu wenige Pausen führen zu Leistungseinbußen. Gleiches gilt aber auch für zu häufige Pausen, da diese den Arbeitsfluss unterbrechen können. Experten raten zu mehreren kurzen Pausen, die über die Arbeitszeit verteilt werden. 

Ebenso wichtig ist die Frage, was Arbeitnehmer während dieser Pausenzeit tun und unterlassen sollten. Die Länge der Pause hängt auch davon ab, wie lange Sie bereits gearbeitet haben. Kurze Unterbrechungen von 5 Minuten sind nach etwa einer Stunde sinnvoll. Nach 2 Stunden Arbeitszeit ist es ratsam, sich etwa 10 Minuten Pause zu gönnen. Nach vier Stunden Arbeitszeit kann die Pause etwas länger ausfallen. 

Aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse ist es schwierig, einen generellen Pausenplan aufzustellen. Einigkeit herrscht in arbeitspsychologischen Studien lediglich darüber, dass Pausen vorteilhaft für Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitsleistung sind. Im Zweifelsfalls sollten Arbeitnehmer daher auf die Signale des Körpers hören und beispielsweise bei einsetzender Ermüdung eine kurze Pause einlegen. Typischerweise brauchen Menschen morgens beziehungsweise während der ersten Hälfte der Arbeitszeit oder Schicht eher weniger Pausen als später am Arbeitstag. In der zweiten Hälfte der Arbeitszeit nimmt tendenziell die chronophysiologische Ermüdung zu, was etwas häufigere oder längere Pausen nahelegt. Um an regelmäßige Pausen zu denken, kann es sinnvoll sein, sich einen durchdachten Pausenplan zu erstellen. Dieser lässt sich beispielsweise an einer Pinnwand oder einem Monitor befestigen, damit Sie ihn immer im Blick haben.

Pausengestaltung für mehr Produktivität und Kreativität

Bei der Gestaltung der Pausen haben Sie als Arbeitnehmer grundsätzlich die freie Wahl. Sie dürfen dabei jederzeit den Arbeitsplatz oder das Betriebsgelände verlassen. Menschen haben verschiedenartige Ansprüche an ihre Pausen und erholen sich sehr unterschiedlich. Bei jeder Art von Pausengestaltung ist es wichtig, während der Pause eine möglichst große Distanz zu der Arbeit aufzubauen. Wichtig ist zum einen, während der Arbeitspause das Gefühl zu haben, geistig und körperlich entspannen zu können. Zum anderen spielt es eine Rolle, wie diese Zeit verbracht wird und welche Erfahrungen währenddessen gemacht werden.

Die Beschäftigung während der Pause sollte dabei voll und ganz der Regeneration dienen. Arbeitnehmer sollten abschalten können, um Gehirn und Muskeln wieder auf Trab zu bringen. Die Durchblutung lässt sich durch etwas Bewegung ankurbeln. Frische Luft (zumindest am offenen Fenster) ist ebenso zu empfehlen. Mit kurzen einem Spaziergang können Sie beides miteinander kombinieren. Auch Entspannungsübungen, Strecken oder leichte Gymnastik sind eine gute aktive Pausengestaltung. Wenn sich Grundbedürfnisse wie Hunger oder Müdigkeit melden, sind Pausen der richtige Zeitpunkt. Mahlzeiten sollten bewusst erfolgen und nicht zu lange aufgeschoben werden, um Gereiztheit durch Hunger zu vermeiden. Übermüdung lässt sich durch kurze Nickerchen (Power-Napping) vermeiden, diese tragen deutlich zur Regeneration bei. Auch Gespräche mit Kollegen sind eine gute Pausengestaltung, wenn sie sich nicht nur um die Arbeit drehen. Empfehlenswert ist es, sich über positive Dinge außerhalb der Verpflichtungen auszutauschen. 

Fazit

Pausen sind nicht nur arbeitsrechtlich vorgeschrieben, sondern unabdingbar zum Aufrechterhalt von Leistung und Produktivität. Experten und Arbeitspsychologen raten zu mehreren kurzen Pausen, die über den Arbeitstag verteilt werden. Ein Spektrum zwischen 5 und 30 Minuten gilt als ratsam. Bei der Pause ist es wichtig, eine gewisse Distanz zur Arbeit herzustellen und Störquellen auszuschalten.

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