13 Mai, 2019

thecamp: Ideenlabor für die Stadt von morgen

thecamp in der Provence ist ein futuristischer Campus im Zeichen internationaler kollaborativer Projekte, bei denen sich alles um die intelligente Stadt der Zukunft dreht. Ins Leben gerufen wurde das Ideenlabor von Unternehmer Frédéric Chevalier. Finanziert wird die architektonisch nachhaltig konzipierte Begegnungsstätte und Coworking Space von öffentlichen sowie privaten Geldern.

thecamp: Ideenlabor für die Stadt von morgen

Im Herzen der Provence liegt mit thecamp eine Ideenschmiede der neuen Generation. Hier treffen Manager, Politiker, Startups und Studenten in intensiven Projekten aufeinander, um die Lebens- und Arbeitswelt in der Stadt der Zukunft zu entwickeln.

Vor der Kulisse der einst von Paul Cézanne gemalten Montagne Sainte Victoire ragen gläserne, von einer überdimensionalen Zeltplane überspannte Zylinder aus der Erde. Hier hat Unternehmer Frédéric Chevalier seine Vision von einem Laboratorium kollektiver Intelligenz verwirklicht. thecamp soll nicht nur Austauschplattform, sondern Trainingscenter für die Führungseliten von morgen sein. Über die Zukunft wird hier nicht nur geredet. Das Leben von morgen wird gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven entdeckt und vorweggenommen. Ziel dabei: Eine bessere, humanere Welt erschaffen. Chevalier war in den 1990er Jahren mit seinem internetbasierten Marketingdienstleister HighCo Frankreichs jüngster Vorsitzender eines börsennotierten Unternehmens. Ganzheitliche Entwicklung von Lebens-und Arbeitswelten war immer schon eines seiner Steckenpferde. Chevalier konnte die Eröffnung seines Lebenstraumes leider nicht mehr miterleben. Am 21. Juli 2017, nur wenige Wochen, bevor thecamp seine Pforten öffnete, kam Chevalier bei einem Motorradunfall ganz in der Nähe seines Ideenlabors ums Leben.

Führungseliten den Weg in die Zukunft ebnen


Was bleibt, ist die Vision, die von Chevaliers Partnern konkret in die Zukunft geführt wird. Bei der Planung zu thecamp standen US-amerikanische Institutionen wie das Center for Urban Science & Progress der New York University oder die Singularity University im kalifornischen Palo Alto Pate. Indem die äußerst heterogene Gruppe von Studenten, Unternehmern, Startups und Politikern zusammenkommt, entsteht ein neues Ökosystem, das für die Zukunft der Stadtentwicklung richtungsweisend sein kann. Denn nur, wenn kollektiv gelebt, gedacht, geforscht und diskutiert wird, entstehen Synergieeffekte, die innovative Lebens- und Arbeitswelten ermöglichen. Gemäß Chevaliers Meinung sind Führungseliten im wirtschaftlichen und öffentlichen Sektor auf die rasanten Entwicklungsprozesse in der Gesellschaft nur unzureichend vorbereitet. Diese Kluft durch effektive Vorbereitung und Begleitung in die Zukunft zu überbrücken ist Leitgedanke von thecamp.

Nachhaltigkeit auch in der architektonischen Umsetzung

Der Name thecamp ist nicht zufällig gewählt, da er sowohl Assoziationen an den klassischen Campus einer Universität, aber auch an ein Bootcamp erlaubt. Das Gelände liegt strategisch günstig in der malerischen Provence am Technopole de l'Arbois zwischen Aix-en-Provence und Marseille in der Nähe von Flughafen und TGV-Bahnhof. Kurze Wege zum Modell der Stadt der Zukunft bieten ebenso Raum für die Konzentration auf das Wesentliche wie der scheinbar organisch aus der Landschaft gewachsene Campus in futuristischem Design. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Gebäudekomplex nach Plänen der Architektin Corinne Vezzoni umgesetzt. Die Zeichen stehen ganz auf Nachhaltigkeit. Haupt- und Hotelgebäude sind aus Holz, das aus ökologisch bewirtschafteten Wäldern stammt. Betrieben wird alles mit Solarenergie und was den Abfall angeht, wird auf "zero waste" gesetzt.

Zukunftsweisendes Finanzierungskonzept

Die Brutstätte für gemeinsames Arbeiten und Interaktion auf allen Ebenen des Lebens kostet rund 84 Millionen Euro. 40 % davon tragen Partner der öffentlichen Hand wie das Departement Bouces-du-Rhône, die Metropolregion Aix-Marseille-Provence und die Handelskammer Marseille. Hinzu kommen Unternehmen wie Air France, accenture, Cisco, Vinci und SNCF, die nicht nur Geldgeber sind, sondern direkt vor Ort zum Zukunftskurs beitragen. Chevalier selbst hat 12 Millionen Euro aus eigener Tasche beigesteuert. Damit auch junge Unternehmen eine Chance haben, hilft die Genossenschaftsbank Crédit Agricole durch Investorensuche, innovative Projekte zu realisieren. Auch das Finanzierungskonzept zeigt, wie in thecamp das Ideal der Arbeitswelt von morgen angegangen wird. Der Campus ist nicht nur Begegnungsstätte, sondern auch Coworking Space, FabLab, Accelerator und Inkubator. Getreu dem Motto "Think global, act local" ergänzen regionale Startups das Portfolio mit ihren Projekten, darunter ein futuristisches Sportstudio oder ein Gemüseanbau mit Permakultur.

Intensive Arbeitsperioden mit Praxistest


Im Mikrokosmos The Camp kommen verschiedene Gruppen für kurze, intensive Perioden zusammen, um über Lösungen nachzudenken und zu experimentieren, wie die Stadt der Zukunft, nachhaltiger, resilienter, gerechter und menschlicher werden kann. Es ist sozusagen höchste Zeit, denn laut einer Erhebung der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften werden 2030 mehr als 1,2 Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche von Städten eingenommen werden - dreimal so viel wie heute. Insgesamt ist zu erwarten, dass es dann 37 Megastädte gibt, in denen zwischen 10 und 30 Millionen Einwohner leben. Die Zukunft der Lebens- und Arbeitswelt wird in thecamp in fünf Kernbereichen erarbeitet:

  • Graduiertencenter: Hier kommen Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen, um ihr kreatives Potenzial zu entdecken und sich auf die Zukunft als Führungskräfte einer Welt im Wandel zu wappnen.
  • Managercenter: Manager und Entscheidungsträger im öffentlichen und privaten Sektor werden auf den technologischen Wandel und die damit verbundenen Veränderungen vorbereitet, um ihre Unternehmen, aber auch die Persönlichkeit auf Zukunftskurs zu bringen.
  • Wachstumscenter: Startups erhalten ein effektives Mentoring, um ihr Unternehmen und seine Projekte voranzubringen.
  • Experimentallabor: Ein Raum, um erdachte Projekte auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen. Was hier Erfolg hat, wird als Feldstudie in der Metropolregion Aix-Marseille weitergeführt.
  • Konferenzcenter: Ein öffentlicher Dialograum, der Reflexionen über die Stadt der Zukunft erlaubt. Referenten sind internationale Experten.

Konzentration auf fünf Challenges

Der technologische Fortschritt und sein Aufbrechen bisheriger Lebensmuster ist Dreh- und Angelpunkt auf dem Innovationscampus. Aus gutem Grund, denn schon heute verläuft die Entwicklung in einigen Bereichen so rasant, dass menschliches Vorstellungsvermögen kaum noch Schritt halten kann. Diese neuen Technologien werden die Welt positiv oder auch negativ verändern - je nachdem, wie Entscheidungsträger dafür gerüstet sind. Inhaltlich nimmt sich thecamp daher einigen wenigen, aber umso wichtigeren Themenbereichen an. Diese Challenges finden sich auch auf der Agenda 2030 der Uno, in der insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung aufgeführt sind. Fünf davon haben Chevalier und sein Team ausgewählt:

  • Die Ozeane: Nutzung der Ressourcen und Kampf gegen die Verschmutzung
  • Mobilität
  • Energie und Energiewandel
  • Lebendige Städte
  • Bildung und Lernen der Zukunft

Im Fokus der Entwicklung einer modernen Lebens- und Arbeitswelt muss ein Umgang mit der Technologie sein, der sie nicht zum Götzen erhebt, sondern in Harmonie mit dem Mensch und somit dem ganzen Planeten steht.
Schon vor der Eröffnung machte thecamp mit einem europaweiten Ideenwettbewerb auf sich aufmerksam, dem "Spark Life Contest" unter der Ägide von fünf Partnerunternehmen. Vor allem aus Nordeuropa war die Resonanz enorm. Die Kapazitäten auf dem Campus mit komfortablem Hotel bieten Platz für 500 Personen und ihren Dialog rund um Zukunftsvisionen. Während maximal 70 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft für zwei bis drei Tage bleiben, beziehen Graduierte vier Monate Quartier auf dem Campus. Angepeilt ist außerdem eine Präsenz von bis zu 40 Startups pro Jahr, die ihre Zukunftsvisionen zwischen sechs und zwölf Monaten in der ganzheitlich inspirierenden Atmosphäre auf dem Campus in der Provence reifen lassen können. Die interessierte Öffentlichkeit hat die Möglichkeit, thecamp bei Konferenzen oder speziellen Führungen kennenzulernen.

 

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